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Jochen Griesmeiers große Enttäuschung

VON GABRIELA THOMA – GEA 24. April 2009

VON GABRIELA THOMA – GEA 24. April 2009

»In den Augen tanzen die Sterne - und die Tränen«. Dieser Satz auf Jochen Griesmeiers Homepage spricht für sich. Vor dem letzten und für beide Mannschaften bedeutungslosen Saisonspiel am Samstag (19 Uhr) beim TV Nellingen macht der Trainer der Zweitliga-Handballerinnen der TuS klar, dass »Metzingen für mich mehr war als nur ein Job. Ich war stets mit viel Herzblut bei der Sache«. Was müssen das für glückliche Zeiten gewesen sein, denkt man, wenn einer so etwas sagt. Geht somit am Samstagabend Griesmeiers zweijähriges Gastspiel bei den Ermstälerinnen unwiderruflich zwar, so aber doch heiter zu Ende? Eher nicht.

Dass der 46-Jährige als Coach aufhört, steht seit Wochen fest. Doch erst seit Montagabend dieser Woche weiß der Diplom-Sportpädagoge, dass überraschend auch sein Arbeits-verhältnis als sportlicher Leiter der Metzinger Kindersportschule beendet wird, weil die neue Trainerin Edina Rott diesen Part übernimmt. Damit ist Griesmeier jetzt arbeitslos.


»Vielleicht ist es am besten so, dass es zu einer kompletten Trennung kommt.«
Ich muss mich völlig neu orientieren, aber ich kann das auch«, sagt der Holzgerlinger. Seine Stimme bricht. Der Kloß in seinem Hals ist unüberhörbar. Griesmeier ist verletzt. Nachkarten jedoch, oder schmutzige Wäsche waschen, ist sein Ding nicht. Allerdings stellt sich der A-Lizenz-Inhaber sehr wohl selbst in Frage und verhehlt dabei seine Enttäuschung nicht, sein ehrgeiziges Ziel, »seinen Weg« in Metzingen nicht mehr länger verfolgen zu können.
Der Handball-Perfektionist wollte nicht nur mit der Frauen-Bundesligamannschaft Erfolge feiern. Er wollte über ein hoch qualifiziertes und attraktives Jugendförderkonzept Metzingen auch langfristig zu einer Handball-Hochburg aufbauen und beides miteinander vernetzen.
»Eine gewisse Entwicklung im Zusammenspiel und meine Handschrift sind zu sehen«
»Trotz eines dicken Batzens an persönlicher Enttäuschung« ist für ihn »sportliche Genugtuung« daher, dass zumindest im Saisonschlussspurt seine Mannschaft erfolgreich das von ihm favorisierte schnelle Spiel nach vorne pflegt, ausgeglichen Angriffe über alle Positionen initiiert und auch über die Außenspielerinnen mehr Tore geschossen hat. Eine gewisse Entwicklung im Zusammenspiel und meine Handschrift sind zu sehen«, sagt er stolz.
Mit der Analyse, warum er dennoch gescheitert ist, tut er sich naturgemäß schwer. Immerhin verrät Griesmeier, dass es ihm nicht gelungen ist, »die unterschiedlichen Strömungen in der Mannschaft unter einen Hut zu bringen«. Anscheinend war die viel beschworene Einheit bei den TuS-Frauen keine. »Ich hätte vielleicht rigoroser reagieren müssen«
Griesmeier dazu: »Das für den Erfolg nötige Vertrauen der Spielerinnen untereinander war nicht da.« Und weiter:
»Aufrichtigkeit, Offenheit und der unbedingte Wille zur Zusammenarbeit - das alles habe ich vermisst.«
Zum Beispiel hätten auch die Integration und die Akzeptanz der neuen Spielerinnen nicht recht funktioniert, weil diese nicht als Verstärkung, sondern als Konkurrentinnen empfunden wurden. »Es hat zu Konflikten geführt, dass der Erfolg mehr an eigenen Spielanteilen festgemacht wurde. Daran, wie lang man selbst zum Einsatz kam und damit an individuellen und nicht an mannschaftlichen Interessen«, erklärt er. Auch habe die Hierarchie in der Mannschaft nicht gestimmt und eine echte Füh-rungsspielerin gefehlt.
Von seiner Seite aus wiederum sei zu viel Gutmütigkeit im Spiel gewesen. »Ich hätte vielleicht rigoroser reagieren müssen.« Allerdings halte er es mehr mit dem Anspruch und mit dem im Spitzensport unabdingbaren Prinzip eigenverantwortlicher Spielerinnen. Auch sei er es von seinen früheren Mannschaften nicht gewohnt, dass alles so wie bei den TuS-Frauen hinterfragt und in Frage gestellt wird. »Ich habe auf die endlosen Diskussionen vielleicht zu schroff reagiert.«
Dabei hält es Griesmeier mit dem Fußball-Erfolgstrainer Felix Magath, der jüngst über das aktuelle Verhalten von Spitzensportlern sagte:
Man wolle ja Spieler weiter bringen und ihnen helfen - stattdessen müsse man mit ihnen aber über Taktik oder Trainingsinhalte diskutieren.
In die gleiche Kerbe hieb Fußball-Weltmeister Guido Buchwald, der sagte: »Der Respekt vor natürlichen Autoritäten scheint abhandengekommen zu sein. Spieler merken nicht mehr, dass sie Fehler machen. Und sie wissen nicht mehr, wie sie sich einzuordnen haben.« Doch frei nach dem chinesischen Philosophen Laotse, schadet die Wahrheit ja meist dem, der sie ausspricht.



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