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Alles klar: Cartarius zurück nach Sindelfingen

ALEXANDER MAREIS LEOPOLD FREUDEMANN - 03.04.2008

ALEXANDER MAREIS LEOPOLD FREUDEMANN - 03.04.2008

Zweitligist TuS Metzingen verliert auch seine Rückraum-Torjägerin an den VfL

Dass Iris Cartarius den Frauenhandball-Zweit- ligisten TuS Metzingen verlassen würde, war seit Wochen klar. Unklarheit herrschte indes über den neuen Verein. Der VfL Sindelfingen machte nun das Rennen.

Bald ist ihre Zeit im gelben Trikot vorbei: Oftmals ist Iris Cartarius nur von zwei Gegenspielerinnen zu stoppen - wenn überhaupt. Die Rückraumspielerin verlässt die TuS Metzingen und kehrt zum VfL Sindelfingen zurück.

Das Ratespiel ist vorbei: Nein, es ist nicht Frisch Auf Göppingen, wo der Metzinger Ex-Trainer Emir Hadzimuhamedovic das Sagen hat. Auch der Erstliga-Spitzenverein 1. FC Nürnberg (wir berichteten), bei dem die 25-jährige Iris Cartarius ein überzeugendes Probetraining absolviert hatte, scheidet aus dem spekulativen Kreis aus.

Für die ebenso sympathische wie torgefährliche Handballerin geht es zurück nach Sindelfingen. Seit gestern gibt es daran keinen Zweifel mehr, wie in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz in Metzingen deutlich gemacht wurde.

Dabei stellte gestern Abend Abteilungsleiter Andreas Baumgärtner klar, "dass wir stark daran interessiert waren, Iris Cartarius zu halten." Man habe viele Gespräche geführt und nun eine Leistungsträgerin verloren. Trotzdem werde man alles daran setzen, auch künftig "eine starke Rolle in der Zweiten Bundesliga zu spielen."

Für TuS-Trainer Jochen Griesmeier war es ein Schock: "Das tut weh. Ich bedaure ihren Wechsel sehr." Sie werde eine große Lücke hinterlassen - sportlich wie menschlich. Griesmeier nannte es einen "kurzfristigen Rückschlag", nun müsse man mit aller Macht versuchen, diese Lücke wieder zu schließen.

Iris Cartarius selber betonte, ihr falle der Abschied aus Metzingen nicht leicht. Letztlich hätten berufliche und private Gründe dazu geführt, in die Daimlerstadt zu gehen. Auch sehe sie in Sindelfingen gute sportliche Perspektiven. "Der künftige Aufwand ist insgesamt geringer. Ich wohne in Holzgerlingen und arbeite in Böblingen, habe praktisch alles vor der Haustüre", so die Rückraumspielerin. Alleine in der laufenden Saison, in der die Metzinger Handball-TuSsies noch drei Rundenspiele in der 2. Bundesliga Süd zu bestreiten haben, hat Iris Cartarius bislang 136 Treffer erzielt. Damit ist sie hinter ihrer Metzinger Teamkollegin Annika Schmid (140 Tore, davon jedoch 74 Siebenmetertreffer) die beste Torschützin der gesamten Liga.

Ab der neuen Runde werden die vielen Cartarius-Tore den Metzingerinnen bitter fehlen. Dafür darf sich der designierte Zweitliga-Aufsteiger VfL Sindelfingen auf eine herausragende Torjägerin freuen.

Iris Cartarius kehrt zurück zu dem Verein, von dem sie im Juli 2004 als 21-Jährige aus der Regionalliga ins Ermstal gewechselt war.

Damals hatte Cartarius ihren Wechsel zu den Sieben-Keltern-Städterinnen wie folgt begründet: "Mich reizt die neue Aufgabe in Metzingen, zumal ich in Sindelfingen keine Chance auf den Zweitligaaufstieg mehr gesehen habe."

Davon kann vier Jahre später keine Rede mehr sein. Insider trauen mittlerweile dem VfL Sindelfingen in naher Zukunft mehr zu als den Metzinger "TuSsies". Der Zweitligaaufstieg ist der Truppe des langjährigen TuS-Trainers Jörg Plankenhorn praktisch nicht mehr zu nehmen. Und auch die Tatsache, dass in Person von Milena Rösler die Tochter des ehemaligen Metzinger Handball-Abteilungsleiters Dieter Rösler als gestandene Zweitliga-Rechtsaußen von den Gelb-Schwarzen nach Sindelfingen wechselt, spricht Bände.

Die Verantwortlichen in Sindelfingen freuen sich. "Wir konnten eine der besten und effektivsten Spielerinnen der Zweiten Bundesliga verpflichten. Sie ist eine absolute Persönlichkeit, ich hätte ihr aber auch die Erste Liga gegönnt", so Sindelfingens Trainer Jörg Plankenhorn. "Die Verpflichtung ist ein Riesenerfolg für uns", meinte Manager Jens Bermanseder, jetzt könne man in der Zweiten Liga sicherlich eine gute Rolle spielen.

Die Verpflichtung von Iris Cartarius bringt die ambitionierten Sindelfinger damit nochmals einen gewaltigen Schritt nach vorne. VfL-Trainer Plankenhorn darf sich über eine Rückraumspielerin freuen, die durchaus Erstliga-Ansprüchen genügt und sich selbst als Handball-Verrückte im positiven Sinne bezeichnet: "Ich war etwa acht Jahre alt, als ich bei der SV Böblingen mit dem Handballspielen begann. Während der Nachwuchszeit brachte ich es zu Einsätzen in der baden-württembergischen Jugendauswahl und lernte dabei schon Spielerinnen wie Ania Rösler, Conny Schmid, Silvia Solic und Steffi Bantleon kennen, die alle irgendwann in Metzingen unter Vertrag standen", verrät Iris Cartarius, deren Vater aus dem Saarland stammt. Dass Iris Cartarius Talent besitzt, erkannte man früh. Bereits als A-Jugendliche spielte sie parallel in der A-Jugend und in der ersten Frauenmannschaft der SV Böblingen, die in der Bezirksliga angesiedelt war.

Als in Böblingen weitere Perspektiven fehlten, zog es die ehrgeizige 1,77 Meter große Schwäbin zum Nachbarklub VfL Sindelfingen.

Cartarius Zeit in Metzingen weist neben vielen Erfolgen auch dunkle Flecken auf. Am meisten weh dürfte Cartarius jedoch der verpasste Erstligaabstieg nach den erfolgreich absolvierten Playoffs vor knapp einem Jahr getan haben.



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